Urmotivik

Urmotivik

 

 


oben:
Urs Kupferschmied, Unter den Birken, 2004
Mischtechnik auf Halbkarton, 20,8 x 14,6 cm
Museum Lagerhaus St. Gallen
Fotografie: Urs Kupferschmied

 

unten:
Urs Kupferschmied, Ohne Titel, 2004
Mischtechnik auf Halbkarton, 20,8 x 14,6 cm
Museum Lagerhaus St. Gallen
Fotografie: Urs Kupferschmied

 

 


oben:
Urs Kupferschmied,
M-Sex, 2018
Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm

 


oben:
Urs Kupferschmied
Der Riese, 2002
Öl auf Leinen, 90 x 70 cm
Private Collection
Foto: Urs Kupferschmied

 

unten:
Urs Kupferschmied
Der Raub der Glocke, 2001
Öl auf Leinen, 90 x 70 cm
Foto: Urs Kupferschmied

 


oben:
Urs Kupferschmied
Gott schenkt dem Mensch seine Identität, 2002
Öl auf Leinen, 90 x 70 cm
Foto: Urs Kupferschmied

 

unten:
Urs Kupferschmied
Venediger Mandli, 2005
Öl auf Leinen, 70 x 50 cm
Private Collection
Foto: Urs Kupferschmied

Vorlage zum Bild ist die Sage aus dem Rheintal, worin es heisst: “Alle Jahre kommt auf den Kamor das “Venediger Mandli” und stellt sein Krüglein an den Ort, wo das lautere Gold aus dem Berge heraustropft. Ist das Gefäss voll, so verschwindet das Männchen und fährt durch die Lüfte seiner Heimat zu. Leider kennt sonst niemand die Goldquelle als dieser Venediger allein.
U. Schawalder

Das Venediger Mannli war an vielen Orten auf Besuch; auch im Oberland weiss man von ihm zu erzählen: “In das Haus eines Bauern auf dem Kleinberg kam vor etwa hundert Jahren ein Venedigermannli. Nachdem es einige Tage die Gastfreundschaft des Landmannes genossen hatte, teilte es diesem beim Abschiede das Geheimnis mit, dass das Haus, welches ihn beherberge, auf Gold stehe. Der Bauer blieb ungläubig und spottete darüber. Das Venedigermannli entfernte sich zürnend. Der Schatz blieb ungehoben.
A. Sprenger”

This Painting is based on the legend from the Swiss Rhyne Valley, which states: “Every year the Mount Kamor receives the “Venice Man” and puts his jug to the place where the louder gold drips out of the mountains. When the vessel is full, the male disappears and travels through the skies of his homeland. Unfortunately nobody else knows the source of gold as this “Venediger” alone.
U.Schawalder

The Venetian Mannli was visiting in many places; Even in the highlands one knows to tell of him: “In the house of a cowherd on the hill came about hundred years ago a Venice man. After it had enjoyed the hospitality of the cowherd for several days, it told the parting the secret, that the house The peasant remained disbelieving and scoffed at it, and the Venetian man dragged himself away wrathfully, leaving the treasure unturned.
A. Sprenger”

Quellen: Sagen des Kantons St. Gallen, Jakob Kuoni, St. Gallen 1903, Nr. 70, S. 31; Nr.293, S. 163.

Über den “Venediger” gibt es ausserdem von hier zu berichten:

 

 

unten:
Urs Kupferschmied
Milchglocke, 2005
Öl auf Leinen, 80 x 60 cm
Foto: Urs Kupferschmied

 


oben:
Urs Kupferschmied
Glockenlese, 2002
Öl auf Leinen, 90 x 70 cm
Foto: Urs Kupferschmied

 

unten:
Urs Kupferschmied
Heimatgefühl, 2005
Tusche, weiss gehöht, Papier, 21 x 14 cm
Private Collection
Foto: Urs Kupferschmied

 

UND GOTT LIESS GLOCKEN REGNEN

von Martin Preisser

Bei allen Sujets und malerischen Ideen, die Urs Kupferschmied umsetzt, fällt eine farbenfroh verspielte Grosszügigkeit auf. Der Gestus ist kraftvoll, das Spiel mit den Bildelementen spielt er lustvoll, mit augenzwinkernder Fantasie. Er lässt seine Gefühlswelt hinter dem Vordergründigen aufscheinen und kratzt an der Fassade, am Sich-Abfinden mit dem unmittelbar Gegebenen. Den Bildinhalten verleiht er somit eine höchst eigenwillige Formalität.

Viele der Bilder weisen ganz subtil angedeutet auf Welten jenseits des nur Realen. Da gibt es die “Milchglocke”, das “Interstellare Herz” oder den “Zufriedener”. Das Ausserirdische ragt hinein, ohne dass Kupferschmied irgend eine Esoterik transportieren will.

Ufos auch in Appenzell? Ja, in “Raub der Glocken” entwenden sie das Heimatssymbol Kuhglocke. Tier und Mensch sind gebannt. In seiner Neudefinition der Bauernmalerei zeigt sich Kupferschmied in dieser Ausstellung von seiner originellsten, eigenständigsten Seite. Wie er die traditionelle Appenzeller Kunst quasi postmodern neu interpretiert, das hat Geist, Esprit, und zeugt von einer unverhohlenen Bewunderung für die Tradition. Es ist der witzige, ironische, aber eben auch fast ehrfürchtige Blick hinter traditionelle Motive.

Das Kuhglockenmotiv in Bildern wie “Gott schenkt dem Menschen die Identität” (ein Glockenregen) lässt in die Appenzeller Urmotivik etwas Neues hereinragen, etwas Visionäres, ja etwas Mythisches. Mit dieser “Bauernmalerei” scheint Urs Kupferschmied eine Tradition wirklich zu erneuern. Individuell, eigenständig und neu belebend zeigt er auch, dass das Thema Heimat nicht tot ist.

 

All the subjects and quaint ideas that Urs Kupferschmied implements reveal a colorful, playful generosity. The gesture is powerful, the play with the picture elements he plays with pleasure, with a winking fantasy. He lets his emotional world appear behind the foreground and scratches the facade, resigning oneself to the immediately given. He thus gives the picture content a highly idiosyncratic formality.

Many of the pictures point subtly to worlds beyond the mere real. There is the “Milk Bell”, the “Interstellar Heart” or the “Satisfied”. The extraterrestrial juts in without Kupferschmied wanting to transport any esoteric.

Ufos also in Appenzell? Yes, in “Robbery of the Bells” they steal the hometown Cowbell. Animal and human are banned. In his redefinition of peasant painting, Urs Kupferschmied shows in this exhibition of his most original, most independent side. How he reinterprets traditional appenzeller Bauernmalerei in a kind of post-modern way has spirit, wit and testifies to an undeniable admiration for tradition. It is the witty, ironic, but also almost awesome look behind traditional motifs.

The cowbell motif in pictures like “God gives the human being the identity” (a rain of bells) brings in this motif something new, something visionary, even something mythical. With this “peasant painting” Urs Kupferschmied seems to really renew a tradition. Individually, independently and revitalizing, he also shows that the topic of homeland is not dead.

 

 

arbeiten M-Sex Urmotivik Urs Kupferschmied

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